„Ich töte mich in 90 Tagen. Dies ist das Online-Tagebuch meiner letzten Tage.“ Die Belgierin Tania Derveaux schreibt geben die „Selbstmordkultur„, die neuerlich im Web um sich greift.

Ihr Blog sieht aus wie das unzähliger anderer zukünftiger Selbstmörderinnen, die ihr Vorhaben Wochen zuvor im Web (, mehr oder weniger anonym,) ankündigen und täglich über den neusten Stand berichten. Die Seite ist vorwiegend schwarz gehalten; täglich fügt sie neue Einträge hinzu und geht dabei auf Beiträge aus ihrem Webforum und sonstige Kommentare ein.
Liest man aber in ihrem Webforum, so findet man zwischen all den „Warum machst du das„- und „Ich warte nicht so lange wie du, tschüss„-Einträgen den Hinweis eines besonders ausmerksammen Besuchers: Man soll doch den Knopf „suicide isn’t sexy“ anklicken. Zurück auf dem Blog findet sich der, von Flashblock aufgehaltene, Knopf auf der rechten Seite.
Klickt man den Knopf und liest den Text, so entpuppt sich der Blog als Gegenveranstaltung zur öffentlich angekündeigten und zelebrierten Selbsttötung. Weiter werden einige Webadressen aufgeführt, die Selbstmordgefährdeten helfen können sollen.
Angesichts der Zahl von 10.000 bis 12.000 jährlichen Selbstmorden in Deutschland scheinen solche kuriosen Wege sinnvoll um für das Phänomen mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen. Zugleich ist aber fraglich ob nicht gerade die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu mehr Selbstmorden führt. (Zum Vergleich, die Zahl der Menschen, die bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen liegt in Deutschland bei 5.000 bis 6.000.)
Tanias Blog (Vorsicht Flash, für den Inhalt übernehme ich keine Verantwortung, die Seite ist möglicherweise erst ab einem Alter von 18 Jahren empfehlenswert)
Grafik zur Selbstmordrate weltweit aus der Wikipedia (Man beachte, dass Deutschland rot gefärbt ist.)